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Ein Fohlen soll
entstehen
Eine
erfolgreiche Bedeckung einer Stute setzt einige Kenntnisse der biologischen
Vorgänge der Rosse bzw. der Trächtigkeit voraus. Auch über die männlichen
Geschlechtsorgane und ihre wichtigsten Funktionen sollte ein Züchter Bescheid
wissen.
Der Sexualzyklus
der Stute
Der Zyklus der
Stute wird in eine geschlechtlich inaktive und in eine geschlechtlich aktive
Phase (Rosse) unterteilt. Die Zykluslänge dauert durchschnittlich 21 Tage
(+-2). Das bedeutet, dass eine Stute alle 21 Tage in die Rosse
(Paarungsbereitschaft) kommt. Die Rosse selbst dauert in der Regel 4 bis 10
Tage und ist stark von der Jahreszeit abhängig. Sie ist zu Beginn der
Paarungssaison im Frühjahr länger und schwächer ausgeprägt und wird dann zum
Ende der Paarungssaison (Juli) kürzer und ausgeprägter. Prinzipiell gibt es
aber Stuten die immer eine relativ lange Rosse haben und solche, die im
Extremfall nur ein oder zwei Tage rossig sind. Der Eisprung findet in ca. 74%
der Fälle am letzten oder vorletzten Tag der Rosse statt. Leider erfolgt nicht
bei jeder Rosse ein Eisprung. Dies trifft vor allem auf die ersten Rossen im
Jahr im Januar und Februar zu. Deshalb ist es für jeden Züchter wichtig seine
Stute schon einige Rossen vor dem geplanten Decktermin genau zu beobachten und
Rosseverhalten und -dauer genau aufzuschreiben. Dies ist ohne einen Hengst oder
Wallach im Stall oft schwierig. Im März beträgt die durchschnittliche
Rossedauer 6 Tage, im Juli 4 Tage. Folgende Rossesymptome können an der Stute
beobachtet werden: Die Stuten suchen vermehrt Kontakt zu anderen Pferden bzw.
Hengsten. Die äußere Scham schwillt an und die Rötung und Feuchtigkeit der
Schleimhaut im Scheidenvorhof nimmt zu. Harn wird häufiger abgesetzt und ist oft
mit Schleim vermischt. Die Stuten „blitzen" mit den Schamlippen (sie machen die
Schamlippen auf und zu), so dass die Klitoris sichtbar wird. Der Schweif wird
angehoben und beiseite gelegt. In der Phase der Vorrosse zeigen die Stuten
heftige Reaktionen bei der Annäherung des Hengstes durch Schleimabsatz,
Blitzen, Unruhe und auch Abwehr des Hengstes. In der Hauptrosse duldet die
Stute den Hengst, sie drängt sogar zu ihm. Sie nimmt meist die typische
Rossehaltung ein, d.h. sie stellt sich mit den Hinterbeinen breitbeinig und
leicht gebeugt auf und setzt unter fast ständigem Blitzen Harn und Schleim ab.
Der Zyklus der
Stute unterliegt einer komplizierten hormonellen Steuerung unterschiedlicher
Hormone. Dabei kommt es bei geschlechtsreifen Stuten etwa alle drei Wochen zur
Heranbildung einer befruchtungsfähigen Eizelle. Das Zwischenhirn (Hypothalamus)
ist das übergeordnete Steuerungsorgan für den Rossezyklus. Angeregt durch
Umweltreize stellt es Freisetzungshormone (GnRH = Gonadotropin releasing hormon)
her, die über die Blutbahn an die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) weitergeleitet
werden. Die Freisetzungshormone veranlassen die Hypophyse die Hormone FSH
(Follikel stimulierendes Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon) zu
produzieren und freizusetzen. Das follikelstimulierende Hormon FSH regt auf dem
Eierstock das Follikelwachstum an und das luteinisierende Hormon LH löst auf
dem Eierstock den Eisprung aus und leitet die Bildung und Entwicklung des
Gelbkörpers ein. In dem wachsenden Follikel wird mit zunehmender Follikelgröße
vermehrt Östrogen gebildet. Östrogen sorgt für die Umbildungsprozesse an den
Schleimhäuten der Geschlechtsorgane und ist für die Rossesymptome
verantwortlich. Eine weiter steigende Östrogenkonzentration hemmt die
Freisetzung der Freisetzungshormone und des follikelstimmulierenden Hormons
FSH. Dadurch wird die Reifung weiterer Follikel verhindert. Ab einer bestimmten
Östrogenkonzentration im Blut wird die Ausschüttung des luteinisierenden
Hormons LH angeregt, das den Follikel zum „Springen" bringt. Hiernach sinkt die
Östrogenkonzentration schnell ab. In der leeren Follikelhülle bildet sich nun
unter Einfluss des luteinisierenden Hormons der Gelbkörper. Er produziert das
Schwangerschaftshormon Progesteron. Progesteron hemmt die Freisetzung von GnRH,
FSH und LH. Dadurch kommt es zu einer relativen Ruhe im Follikelwachstum und
die Gebärmutterschleimhaut bleibt in dem Zustand in dem sie einen Embryo
ernähren kann. Wenn um den 16. Tag nach dem Eisprung keine Trächtigkeit
eingetreten ist, bilden die Zellen der Gebärmutterschleimhaut Prostaglandine.
Diese gelangen übers Blut direkt zum Eierstock und lösen den dort vorhandenen
Gelbkörper auf. Ohne Gelbkörper entfällt die Produktion von Östrogenen und
damit erfolgt auch keine Hemmung mehr der GnRH-, FSH- und LH- Bildung und
Freisetzung. Aus dem Hypothalamus und der Hypophyse werden wieder Hormone
freigesetzt, die auf dem Eierstock Follikelwachstum erzeugen, so dass ein neuer
Zyklus beginnen kann.
Da es häufig
nicht möglich ist anhand des Verhaltens einer Stute zu bestimmen, in welchem
Zyklusstadium sie sich gerade befindet, kann manuell durch eine rektale
Untersuchung und mit Hilfe eines Ultraschallgeräts eine Follikelkontrolle durch
den Tierarzt durchgeführt werden. Dieser kann dann feststellen, ob gerade ein
Eierstock aktiv ist und wenn ja wie groß und wie weich der Follikel dort ist. Entscheidend
für das Platzen des Follikels ist nicht allein die Größe, sondern vor allem die
Konsistenz des Follikels. Vor dem Eisprung wird er weich. Auch über den Zustand
der Gebärmutter lassen sich per Ultraschall einige Aussagen treffen. Kurz vor
und während der Rosse zeigt sie im Ultraschallbild eine sog.
Radspeichenstruktur. Auch lässt sich erkennen, ob sich unerwünschte Flüssigkeit
in der Gebärmutter befindet, die ein Einnisten des Embryos verhindert. Wenn ein
Eisprung stattfindet öffnet sich der Muttermund. Dies lässt sich durch den
Tierarzt mittels eines Scheidenspekulums feststellen. Mittels Ultraschall und
Scheidenspekulum lässt sich der Termin des Eisprungs relativ gut absehen, so
dass der optimale Bedeckungszeitraum
ausgewählt werden kann.
Die männlichen
Geschlechtsorgane und ihre wichtigsten Funktionen
Man unterteilt
die männlichen Geschlechtsorgane in die zwei Hoden mit Nebenhoden, die vier
akzessorischen (lat. hinzutretend) Geschlechtsdrüsen, die samenableitenden Wege
und den Penis mit Präputium (Vorhaut).
Vor den Hinterbeinen liegen in einem Hodensack die Hoden. Sie liegen
außerhalb der Bauchhöhle, da sie ihre optimale Funktionsfähigkeit bei zwei Grad
unterhalb der Körpertemperatur besitzen. Im Hoden werden ständig Samenzellen
und männliche Geschlechtshormone produziert. Die in den Samenkanälchen des
Hodens gebildeten Spermien gelangen über den Nebenhodenkopf und -körper in den
Nebenhodenschwanz. Im Nebenhoden reifen die Samenzellen aus und werden im Nebenhodenschwanz
für etwa 3 Monate eingelagert. Die Samenbildungszeit liegt beim Hengst zwischen
63 und 68 Tagen. Dies bedeutet, dass schon zeitig vor der eigentlichen
Decksaison mit der entsprechenden Fütterung des Deckhengstes begonnen werden
muss.
Die akzessorischen Geschlechtsdrüsen liegen in
der Beckenhöhle mit Ausführungsgängen zur samenableitenden Harnröhre. Beim
Samenerguss (Ejakulat) geben diese Drüsen ihre spezifische Flüssigkeit zu den
Spermien hinzu. Durch diese Flüssigkeit werden die Spermien aktiviert. Ein
Ejakulat besteht aus Samenzellen und Geschlechtsdrüsenflüssigkeit.
Über das Röhrensystem der samenableitenden
Kanäle gelangen die Samenzellen vom Ort ihrer Bildung in den Hoden zur
Körperaustrittsöffnung an der Spitze des Penis. Hierbei wird die Harnröhre als
Transportstrecke für die Spermien mitbenutzt.
Der Penis liegt im erschlafften Zustand in der
ihn schützenden Vorhaut. Wird der Hengst sexuell stimuliert fließt vermehrt
Blut in den Penis und lässt ihn anschwellen und versteifen. In diesem Zustand
dient er als Begattungsorgan, das die Samenzellen direkt in den Muttermundkanal
der Gebärmutter (Uterusbesamer) absetzt.
Da Größe und Konsistenz der Hoden für eine erfolgreiche Spermaproduktion
entscheidend sind, werden sie vor Körungen durch den Tierarzt kontrolliert. Die
Abweichung der Größe der beiden Hoden voneinander darf maximal 25% betragen.
Jeder Hengst verfügt pro Gramm Hodengewicht über ein bestimmtes „Output". Das
bedeutet, dass in großen Hoden mehr Sperma produziert wird als in kleinen
Hoden. Innerhalb verschiedener Rassen gibt es dabei große Unterschiede.
Warmbluthengste produzieren sehr viel mehr Sperma als Englische Vollblüter oder
Vollblutaraber. Die Spermamenge spielt bei der künstlichen Besamung eine große
Rolle, da sie über die Menge der zu gewinnenden Portionen entscheidet. Beim
Natursprung geht man je nach Hengst von Überlebensraten der Spermien in der
Gebärmutter von 24h bis zu 6 Tagen aus.
Zur
unmittelbaren Vorbereitung auf die Decksaison sollte der Penis und das
Präputium des Hengstes nur mit lauwarmem Wasser ohne Zusatz von Spülmitteln
oder Desinfektionsmitteln abgewaschen bzw. gereinigt werden, da diese das
Mikroklima auf der Hautoberfläche durcheinander bringen und die körpereigene
Immunabwehr stören. Treten bei jungen oder sehr ängstlichen Stuten Probleme für
den Hengst auf, mit seinem Penis in die Scheide einzudringen, kann Gleitmittel
außen auf die Schamlippen aufgebracht werden. Speiseöle sollen nicht verwendet
werden, da sie die Spermien bei Kontakt schädigen.
Dr. Katja
Paschke
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